Mittwoch, Juni 20th, 2007 | Author: Meg


Die meisten Menschen schreiben heutzutage nur noch an der Tastatur. Sie schreiben Geschäftsbriefe, Liebesbriefe, Tagebücher und Kommentare. Sie nehmen auch das Handy, mit dem sie tippen können. Die Zeiten, in denen die eigene Handschrift ein Ausdruck der Individualität und Persönlichkeit war, sind vorbei. Heute unterschreiben wir höchstens die getippten Briefe mit dem Kugelschreiber oder setzen unseren Namen unter Verträge oder beim Bezahlen mit der ec-Karte.

Ich erschrecke über meine Handschrift, wenn ich Geburtstagskarten schreibe. Früher war meine Handschrift eine Schönschrift. Sie veränderte sich mit der Zeit, es kamen Schnörkel und gingen.
Der Buchstabe “M” (”m”), “G” (”g”) und “K” (”k”) waren die Buchstaben, die bei mir von Jahr zu Jahr anders aussahen.
Wenn ich mich an die Zeit der schriftlichen Prüfungen erinnere und mir die Tatsache in Erinnerung rufe, daß ich damals in der Lage war, in wenigen Stunden zig Blätter mit leserlicher Schrift zu füllen, schaudert es mich, wenn ich heute meine Kladde im Büro zur Hand nehme und das Gekritzel sehe.
Ich habe sehr gerne mit dem Füller geschrieben. Am liebsten mit einem Pelikan-Füller. Er liegt nach wie vor in meinem alten Schulmäppchen, die Patrone ist längst eingetrocknet.
Vor knapp 2 Jahren habe ich El Mar ein Büchlein geschrieben. Circa 200 Gründe, warum ich ihn liebe. Mit der Hand. Mit dem Füller. Danach tat meine Hand bestimme eine Woche weh. Das ist bedauerlich, dennoch kann ich es mir nicht mehr vorstellen, ein handgeschriebenes Tagebuch zu führen. Bei 200 Anschlägen in der Minute bräuchte ich mit der Hand sicherlich einige Stunden, um das aufzuschreiben, was mir durch den Kopf schwirrt. Und danach könnte ich es vermutlich nicht mal mehr lesen.

Meine Mama war immer sehr “stolz” auf meine Schönschrift. Heute habe ich “Angst”, ihr eine Geburtstagskarte mit der Hand zu schreiben, weil ich mich auch ein wenig schäme.

Die Graphologin Rosemarie Gosemärker geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht vom einem “großen Kulturverlust”, wenn immer weniger Menschen mit der Hand schreiben. “Handschrift ist ja auch eine Möglichkeit, sich auszudrücken in der Schreib-Bewegung. Früher kam Individualität in die Handschrift, es wurden Verziehrungen reingebracht, bei Mädchen sieht man das noch bis in die Pubertät”, bedauert Gosemärker kopfschüttelnd, “diese Möglichkeit des Ausdrucks ist versperrt. Man kann auf dem Handy nicht seinem Temperament Ausdruck geben, es sei denn, mit diesen Icons, die da gebraucht werden. Und das ist sehr schade”.

P.S. Ich werde jetzt etwas mehr Handschrift üben und in ca. 6 Monaten nochmal schreiben. Mit Füller! :)

Category: Daily thoughts
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16 Kommentare

  1. 1
    ICrossMyHeartAndHopeToDie 
    Mittwoch, 20. Juni 2007

    Ja, der PC vereinfacht so viele, aber dennoch habe ich mir angewöhnt auch wieder mehr Briefe mit der Hand zu schreiben. Da E-Mail-Freundschaften eh blöd sind, habe ich eine eben zur altmodischen Brieffreundschaft umgemogelt. :o)
    Es ist ein Kulturverlust, da hat die gute Dame recht, aber vielleicht kommt ja bald wieder eine Renaissance des handschriftlchen Briefverkehrs, wer weiß?

  2. Wenn es bis dahin noch Menschen gibt, deren Handschrift man lesen kann ;)

  3. Was wär ich froh, wenn meine Schrift halbwegs so schön wäre wie Deine!

  4. Jetzt hör aber mal auf und zeig uns eine Probe!
    Ich habe mir vorgenommen, daß ich jeden Tag etwas üben werde und in einem halben Jahr nochmal einen Text reinstelle :)

  5. Mir wurde immer mal wieder gesagt, dass meine Handschrift für eine Linkshänderin sehr gut ist. :)

    Bei mir kommt es auch auf das Material an. Ich schreibe ausgesprochen gern mit Tintenroller oder Filzer. :) Füller ging nie richtig.

    Meine Postkarten zeigen eigentlich am Schriftbild, ob sie in Eile oder mit Liebe *g* geschrieben wurden.

  6. uuuuuh, ich hatte schon in der grundschule so meine probleme. also ich hab zwar schon schön geschrieben, aber nicht so, wie es die lehrer von einer fünftklässlerlin erwartet haben, Klein, eng, schmal, leicht nach rechts geneigt! Die Lehrer wollten es groß, rund, platzrauben, die Linien berührend…so ist es des Öfteren vorgekommen, dass ich trotz 0 Fehler ein ganzen Diktat in der Korrektur neu schreiben musste um zu zeigen, dass ich diese tolle runde Schrift beherrsche….man, man, man….

  7. moin

    also ich schreibe nach wie vor sehr viel mit der hand unterscheide da aber ob privat oder dienstlich. schreibe ich privat habe ich nach wie vor eine seh schöne und vorallem leserliche handschrift. sicherlich gibt es veränderungen zu einem alten schriftbild, aber trotzdem ist sie noch schön (finde ich *g*)
    wenn ich dienstlich schreibe neige ich dazu in eine art hyroglyphen-muster zu verfallen. denn im dienst muss alles schenll gehn und letzendlich interessiert es eh kaum jemanden was ich aufschreibe ;o)

    wünsche einen schönen tag!

  8. Murmel, das mit dem Urlaub kann ich nicht beurteilen, vielleicht sollten wir uns mal Karten aus Malta gegenseitig nach Hause schicken? :D

    Ich kann nur aus Adress-Aufklebern lesen :D

  9. Sari - das hätte ich lieber in Kauf genommen, als die Schläge mit einem Holzlineal auf die “böse” Hand. Ich bin ein umerzogener Linkshänder.

    Ob man das als Ausrede für die Krakelschrift nehmen kann? ;) Eher nicht, sie war mal wirklich schön *seufz*
    Ich werde üben, üben, üben!

  10. Tommy, das ist das Ärzte und Krankeschwestern-Syndrom :D

    You’re not alone! *hihi*

    Dir auch einen schönen Tag!

  11. 11
    Jochen Hoff 
    Donnerstag, 21. Juni 2007

    Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder soll man das was ich schreibe lesen können, oder ich schreibe mit der Hand.

    Ich hab mir selbst in der Schule bei Hausaufgaben lieber eine Note schlechter geben lassen und mit Maschine geschrieben.

  12. *heul*
    Auf welcher Schule warst Du denn, bzw. wie alt bist Du, Jochen?
    Zu meiner Zeit gab es keine “Maschinen”, wir hatten sogar einen Rechenschieber :D

  13. 13
    StoiBärs Gegenbeweis 
    Donnerstag, 21. Juni 2007

    Es geht noch schlimmer! Link folgen!

  14. 14
    steffi 
    Montag, 25. Juni 2007

    mir hat schönschrift schon in der grundschule immer das zeugnis versaut - aber durch dein stöckchen (also über diverse ecken an mich gekommen) habe ich mich durchgeackert :-)

  1. [...] zu schreiben. Dabei habe ich mich an mein erstes, selbst kreiertes Stöckchen erinnert. Erinnert ihr euch noch? Leider hatte ich die Aktion damals vergessen und die neue Handschriftenprobe nicht angefordert, aber [...]

  2. [...] wurde die Bewerbung noch geschrieben. Man verfügte entweder über eine schöne, leserliche Handschrift oder hatte – wenn nicht vorhanden – idealerweise eine Schreibmaschine oder einen [...]

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